Das Motiv der Psychischen Erkrankung in Literatur für Kinder und Jugendliche ist noch nicht abschließend untersucht. Zu tabuisiert und schwierig erscheint vielen Autoren die Problematik. Doch Kinder verschließen nicht die Augen vor den schwierigen Teilen der Gesellschaft. Immer häufiger greift auch die Kinder- und Jugendliteratur das Motiv "Psychische Erkrankung" auf und verarbeitet es kindgerecht. In meiner Magisterarbeit im Fachbereich Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft habe ich das Thema und seine Umsetzung untersucht.
Psychische Erkrankungen in Problemerzählungen für junge Leser:
In der Magisterarbeit mit dem Titel "Psychische Erkrankungen in Problemerzählungen für junge Leser" beschäftige ich mich mit Kinder- und Jugendliteratur zwischen 1999 und 2006, die das Motiv der psychischen Erkrankung beinhaltet. Die Arbeit berücksichtigt sowohl die psychische Erkrankung bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen.
Zu psychischen Erkrankungen als literarisches Motiv innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur lässt sich erheblich weniger Sekundärliteratur finden, als zu anderen Problematiken. Ich habe u.a. untersucht, ob sich die modernen Problemerzählungen rein didaktisch mit dem Motiv auseinandersetzen, oder ob sie durchaus auch hintergründig und beispiellos mit ihnen verfahren.
Die hauptsächliche Forschungsfragen ist: Wie werden psychische Störungen in verschiedenen Kinder- und Jugendbüchern dargestellt? Meine Arbeit erklärt inwieweit Autoren das genannte Motiv in den Inhalt integrieren und es zum Handlungsmittelpunkt machen und ob sie den Erzählungen didaktischen oder novellistischen Charakter im Sinne von Hans-Heino Ewers Theorie (vgl. Ewers 2006) verleihen.
In den meisten Büchern verändert sich die zu beschreibende Lebenswelt des kindlichen oder jugendlichen Protagonisten und hebt sich von üblichen Strukturen ab. Bei einer Selbsterkrankung verlieren die Dinge, die normalerweise Teile des jugendlichen Erlebens und Lebens sind, an Bedeutung, weil die Krankheitssymptome in den Mittelpunkt rücken. Erkrankt ein Elternteil oder eine andere nahestehende Person, sind es spezifische Auswirkungen der Krankheit auf die angehörigen Protagonisten, die eine Veränderung bewirken. Nicht die Symptome selbst belasten hier das Kind oder den Jugendlichen, sondern vor allem die neue Situation, die zudem problematisch und beängstigend ist.
Die psychische Störung fungiert zum einen als Störfaktor, der eine fiktive kindliche Erlebniswelt durcheinanderbringt und sie zu einem spannenden Pendant zur eigenen Welt der jungen Leser macht. Zum anderen werden die psychischen Erkrankungen in den meisten Kinder- und Jugendbüchern realistisch und anschaulich vermittelt, sodass man überwiegend von einer wissensvermittelnden Darstellung sprechen kann.